Marbacher Zeitung   13.1.2003  Lokalnachrichten

 

Schwäbisches Tournee Theater macht Station in Beilstein

 

Realsatire vermischt mit Wortwitz

 

„Geld stinkt net“ – Rasante Komödie mit turbulenten Verwechslungen

 

BEILSTEIN. Während draußen klirrende Kälte herrschte, ging es am Samstagabend in der Stadthalle heiß her. Das Schwäbische Tournee Theater heizte mit der Boulevardkomödie „Geld stinkt net“ mächtig ein. Unterhaltsamer und entspannender kann der Einstieg ins Wochenende kaum mehr gestaltet werden.

 

Zwei Stunden lang abschalten, den Alltag vergessen und mal kräftig loslachen – die Schauspieler vom Tourneetheater machten es möglich. Die Fans der seichten Boulevardunterhaltung kamen beim Theaterabend voll auf ihre Kosten. Eine Prise englischer Humor vermischte sich mit einem Schuss Realsatire und jeder Menge schwäbischem Wortwitz. Diese Mixtur bescherte dem Publikum in der fast voll besetzten Stadthalle einen abwechslungsreichen und komischen Abend.

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt. Erwin Eisele steht im Mittelpunkt der rasanten Verwechslungskomödie. Der listige Schwabe verlor seinen Job, erschlich sich wöchentlich Schecks vom Sozialamt für einen Untermieter, den es gar nicht gibt und besserte so sein Konto auf. Gattin Annegret ahnt von all dem nichts. Als eines Tages Gerhard Idler, seines Zeichens Außenprüfer vom Sozialamt, bei den Eiseles vor der Tür steht, löst er eine Welle von Verwicklungen und Verwechslungen aus. Die Gaunereien drohen aufzufliegen. Doch Erwin denkt sich immer wieder neue Storys aus, um den Beamten loszuwerden und somit weiterhin sein Doppelleben führen zu können. »Geld stinkt net« wäre nicht vom Genre »Boulevard«, wenn es nicht zu tumultartigen Szenen käme, bei denen Konfusion und eine gehörige Portion Chaos die Hauptrolle spielen. Fast sämtliche Protagonisten müssen im Laufe des Stückes gezwungenermaßen in mindestens eine andere Rolle schlüpfen. Onkel Schorsch mimt eine Leiche, Harry Fuchs mutiert zur matronenhaften Dame und Erwin Eisele weiß bald gar nicht mehr, wer er eigentlich ist. Dem kühlen Kopf Annegrets ist es letztendlich zu verdanken, dass die Sache auffliegt. Ihr Gatte kann dieses Spielchen nicht mehr aufrecht erhalten und beichtet. Die Komödie in zwei Akten ist kurzweilig, amüsant und stellenweise auch spannend. Schließlich möchte jeder im Zuschauerraum wissen, wie sich dieser Knoten aus Lügen und Ausflüchten wieder löst und wann das normale Leben der Eiseles wiederhergestellt ist. Die Aufklärung der komplizierten Verhältnisse gestaltet sich zwar etwas langatmig, der Zuschauer genießt indes jedoch die derbe Ausdrucksweise der Schwaben und die turbulenten Szenen. Die Adaption des Stückes vom Englischen ins Schwäbische kann als gelungen bewertet werden. Zynismus und Biss der Vorlage von Michael Cooney sind glücklicherweise erhalten geblieben. »Der Tote kann ruhig auf dem Esstisch aufgebahrt werden. Mir esset heut eh auswärts« ist nur eine der »ekligen« dargebotenen Schoten. Angenehm ist auch, das die britischen Namen nicht beibehalten und stattdessen durch urschwäbische ersetzt worden sind. Was wäre eine Boulevardkomödie ohne einen Onkel Schorsch, eine Hildegard Kächele oder einen Erwin Eisele? Vor allem auch deshalb, weil die Darsteller »schwätzen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist«. Und da käme ein »Bisch du verrückt, James«, nicht sonderlich glaubwürdig an. Am Ende des Theaterabends bewahrheitete es sich wieder einmal: »Money makes the world go round... «. Und es ergeht schließlich Gnade vor Recht. Weil Erwin alle Tricks kennt, darf er fortan auf dem Sozialamt in der Betrugsabteilung arbeiten.   ano