Realsatire vermischt mit Wortwitz
BEILSTEIN. Während draußen klirrende Kälte herrschte,
ging es am Samstagabend in der Stadthalle heiß her. Das Schwäbische Tournee
Theater heizte mit der Boulevardkomödie „Geld stinkt net“ mächtig ein.
Unterhaltsamer und entspannender kann der Einstieg ins Wochenende kaum mehr
gestaltet werden.
Zwei Stunden lang abschalten, den Alltag vergessen
und mal kräftig loslachen – die Schauspieler vom Tourneetheater machten es
möglich. Die Fans der seichten Boulevardunterhaltung kamen beim Theaterabend
voll auf ihre Kosten. Eine Prise englischer Humor vermischte sich mit einem
Schuss Realsatire und jeder Menge schwäbischem Wortwitz. Diese Mixtur bescherte
dem Publikum in der fast voll besetzten Stadthalle einen abwechslungsreichen
und komischen Abend.
Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt. Erwin Eisele
steht im Mittelpunkt der rasanten Verwechslungskomödie. Der listige Schwabe
verlor seinen Job, erschlich sich wöchentlich Schecks vom Sozialamt für einen
Untermieter, den es gar nicht gibt und besserte so sein Konto auf. Gattin
Annegret ahnt von all dem nichts. Als eines Tages Gerhard Idler, seines
Zeichens Außenprüfer vom Sozialamt, bei den Eiseles vor der Tür steht, löst er
eine Welle von Verwicklungen und Verwechslungen aus. Die Gaunereien drohen
aufzufliegen. Doch Erwin denkt sich immer wieder neue Storys aus, um den
Beamten loszuwerden und somit weiterhin sein Doppelleben führen zu können.
»Geld stinkt net« wäre nicht vom Genre »Boulevard«, wenn es nicht zu
tumultartigen Szenen käme, bei denen Konfusion und eine gehörige Portion Chaos
die Hauptrolle spielen. Fast sämtliche Protagonisten müssen im Laufe des
Stückes gezwungenermaßen in mindestens eine andere Rolle schlüpfen. Onkel
Schorsch mimt eine Leiche, Harry Fuchs mutiert zur matronenhaften Dame und
Erwin Eisele weiß bald gar nicht mehr, wer er eigentlich ist. Dem kühlen Kopf
Annegrets ist es letztendlich zu verdanken, dass die Sache auffliegt. Ihr Gatte
kann dieses Spielchen nicht mehr aufrecht erhalten und beichtet. Die Komödie in
zwei Akten ist kurzweilig, amüsant und stellenweise auch spannend. Schließlich möchte
jeder im Zuschauerraum wissen, wie sich dieser Knoten aus Lügen und Ausflüchten
wieder löst und wann das normale Leben der Eiseles wiederhergestellt ist. Die
Aufklärung der komplizierten Verhältnisse gestaltet sich zwar etwas langatmig,
der Zuschauer genießt indes jedoch die derbe Ausdrucksweise der Schwaben und
die turbulenten Szenen. Die Adaption des Stückes vom Englischen ins Schwäbische
kann als gelungen bewertet werden. Zynismus und Biss der Vorlage von Michael
Cooney sind glücklicherweise erhalten geblieben. »Der Tote kann ruhig auf dem
Esstisch aufgebahrt werden. Mir esset heut eh auswärts« ist nur eine der
»ekligen« dargebotenen Schoten. Angenehm ist auch, das die britischen Namen
nicht beibehalten und stattdessen durch urschwäbische ersetzt worden sind. Was
wäre eine Boulevardkomödie ohne einen Onkel Schorsch, eine Hildegard Kächele
oder einen Erwin Eisele? Vor allem auch deshalb, weil die Darsteller
»schwätzen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist«. Und da käme ein »Bisch du
verrückt, James«, nicht sonderlich glaubwürdig an. Am Ende des Theaterabends
bewahrheitete es sich wieder einmal: »Money makes the world go round... «. Und
es ergeht schließlich Gnade vor Recht. Weil Erwin alle Tricks kennt, darf er
fortan auf dem Sozialamt in der Betrugsabteilung arbeiten. ano