Montag, 11. November 2002                  Gäubote Herrenberg                       Lokale Kultur

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Schwäbisches Tourneetheater zu Gast in der Alten Turnhalle in Herrenberg: In der Komödie gerät alles "Außer Kontrolle"

 

Ein Chaos von wahrlich  grandiosem Ausmaß

 


"Der reinste Taubenschlag ist das": Da mag Dr. Waldemar Müller-Blümelein wohl niemand widersprechen. Denn in den beiden Suiten 648 und 650 mit durchgehendem Balkon im Hotel Graf Zeppelin zu Stuttgart geht es tatsächlich zu wie in einem Taubenschlag. Ein ständiges Kommen und Gehen. Dabei wollte Dr. Müller-Blümelein eigentlich lediglich ein Schäferstündchen abhalten, anstatt einer Sitzung im Landtag beizuwohnen ....... Doch, wie es sich für ein urkomisches Stück Unterhaltung gehört, klappt natürlich überhaupt nichts. "Außer Kontorolle" heißt die Komödie von Ray Cooney, die das Schwäbische Tourneetheater auf Einladung der Volkshochschule in Herrenbergs Alter Turnhalle präsentierte. Und dieses Motto galt bald nicht mehr nur für die Geschehnisse auf der Bühne, sondern auch fürs Publikum. Die Zuschauer wurden in Atem gehalten und lachten Tränen, Verschnaufpausen gab es nur eine, Die, in der man sich die Beine vertreten und ein Gläschen Sekt schlürfen kann. Ansonsten wurde ein Kuddelmuddel erster Güte auf der Bühne veranstaltet. Dabei wäre eigentlich alles ganz einfach gewesen. Was ja nicht selten der Ausgangspunkt für ein Chaos grandiosem Ausmaßes ist. Denn, obwohl der Politiker alles so perfekt inszeniert hatte und durch seinen Privatsekretär Harald Schwämmle auch bestens unterrichtet war, was zeitgleich in der Landtagssitzung debattiert wurde, ging alles schief. Als Dr. Müller-Blümelein nämlich endlich Hotelmanager und Zimmerkellner losgeworden war, und sich der noch recht jungen und bildhübschen Sekretärin des Oppositionschefs, Gaby Rambazotti, widmen wollte, klemmte ein vermeintlich Toter im Schiebefenster. Um ihn verschwinden zu lassen und gleichzeitig zu vertuschen, was das Paar im Sinn hatte, absolvierten der - verheiratete - Politiker und sein Sekretär Harald einen Spagat nach dem anderen. Verkompliziert wurde das Ganze zu allem Überfluss und zur Freude des Publikums durch einen äußerst hitzigen Herren Luigi Rambazotti, der mit Vorliebe mit Messern um sich fuchtelt. Ebenfalls mit von der Partie war ein neugieriger und dann, ein zunehmend vor Wut kochender Hotelmanager, die spröde Schwester Gudrun, die Haralds Mutter betreute sowie Anita zu überraschen gedachte. Als Retter in der Not entpuppte  sich der "reichste Mann im Hotel", der Zimmerkellner, der für jede Dienstleistung für ein fürstliches Trinkgeld forderte - und angesichts der prekären Lage auch bekam. Tja, und dann gab es da noch den vermeintlichen Toten, der in Wirklichkeit natürlich nicht tot war, sondern Privatdetektiv, engagiert vom hitzigen Luigi, der seine Frau der Untreue in Verdacht hatte. Und natürlich das Schiebefenster, das einfach nicht offen bleiben wollte, was so manchen immer wieder Sterne sehen ließ. Und der verklemmte Harald wurde unfreiwilliger Weise zu Ladykiller. Fazit: Brillante Schauspieler und grandioser englischer Humor mitten ins Herz der Schwaben verpflanzt. Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst.   VON BIANKA ROITH