27. November 2002          Backnanger Kreiszeitung     KULTUR AUS STADT UND KREIS

 

In der Großaspacher Gemeindehalle begeisterte das Schwäbische Tourneetheater mit der Komödie "Geld sinkt net"!

 

  Turbulente Situationskomik ohne Wenn und Aber

 


Aspach - Eine herrlich überdrehte Verwechslungskomödie der alten Schule präsentiert das Schwä-bische Tourneetheater den begeisterten Zuschauern in der proppenvollen Großaspacher Gemeindehalle. Veranstaltet vom Kulturkreis Aspach zauberten die engagierten Schauspieler das Stück "Geld stinkt net!", eine schwä-bische Adaption der höchst erfolgreichen englischen Boulevardkomödie "Und ewig rauschend die Gelder", auf die Bühne. Bekanntlich sind ja die Engländer die Erfinder des schwarzen Humors, und scheinbar gehen wir Schwaben ja zum Lachen in den Keller - nix da - an diesem Abend werden beide Vorurteile ad absurdum geführt und das Schwäbische Tourneetheater beweist, dass die eigentliche Wiege des schwarzen Humors im Ländle der Linsen- und Spätzle-Fanatiker und Viertelesschlotzer zu finden ist. Das Stück ist bissig, sarkastisch und voller Ironie, ein Festival des derben, tiefschwarzen Humors, das vom Aspacher Publikum mit einer Lachsalve nach der anderen bedacht wird. Die Geschichte handelt von den Machenschaften des üblen Abzockers Erwin Eisele, klasse gespielt von Klaus Ellmer, der seinen Job verliert und dann so ziemlich jede erdenkliche Einrichtung unseres Sozialstaates nach allen Regeln der Kunst bescheißt. Nach Belieben erfindet Eisele Mieter und Verwandte, lässt sie an schrecklichen Krankheiten darben, leidet selbst an ägäischen" Gebrechen und wenn es nötig ist, muss halt der Form halber einer seinen imaginären Mitbewohner das Zeitliche segnen. Um stolze 4000 Euro monatlich, selbstverständlich steuerfrei, prellt Eisele den Staat, und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis ihn mit Gerhard Idler, ein Mitarbeiter des Sozialamtes, Abteilung Außenprüfung, auf die Pelle rückt. Idler, im richtigen Leben Dirk Deininger, spielt den Prototyp eines linkischen Beamten. Jetzt geht das Chaos so richtig los. Zusammen mit seinem Untermieter Harry Fuchs, absolut köstlich gemimt von Lutz Link, verstrickt sich Eisele in ein gewaltiges Netz aus immer absurderen Lügengeschichten. Link, alias Harry Fuchs, ist der heimliche Star des Abends. Seine Bühnenpräsenz ist einfach genial, und als er mal kurzerhand in Frauenklamotten auftaucht, tobt das Publikum. Irgendwann denkt man, so das war's jetzt kann es aber wirklich keine Komplikationen mehr geben - denkste - die ganze Geschichte wird immer verquerer und Situationskomik fabriziert Reaktionen des Publikums, die die Gemeindehalle in ihren Grund-festen erschüttert. Eiseles Frau Annegret (Elke Dobusch) glaubt, ihr Göttergatte würde sexuell ans andere Ufer abdriften und bezeichnet ihn ziemlich frustriert als "Schwabenschwuchtel". Ihre Rolle mutiert von der hysterischen Ehefrau hin zum resoluten Hausdrachen. Annegret ruft den Partnerschaftsmoderator (altmodisch würde man wohl Eheberater sagen) Dr. Schaumann, alias Matthias Just, auf den Plan. Eisele und seinem Lügen-Kompagnon Harry Fuchs steht das Wasser bis zum Hals und noch etwas darüber hinaus. Als dann auch noch Harrys Verlobte Bettina (Monika Andreasch) ihren kurzen aber schauspielerisch sehr intensiven Auftritt hat und feststellen muss, dass ihr Geliebter anscheinend tot ist, ist das Tohuwabohu perfekt. Durch ein Gewitter zum absolut richtigen Zeitpunkt werden dann allerdings alle belastenden Unterlagen vernichtet und Eiserle, der ja bekanntlich jeden Trick kennt, wird kurzerhand zu Inspektor in der Betrugsabteilung des Sozialamtes ernannt. Mit augenzwinkerndem Zynismus wird ein kapitaler Bock zum Gärtner gemacht. Was für eine haar-sträubende, temporeiche Story. Schwäbischer Slapstick in Reinkultur. Unter der Regie von Susanne Heydenreich, Schauspielerin und Intendantin des Theaters der Altstadt in Stuttgart ist dem engagierten Ensemble eine köstlich groteske Performance gelungen. Eine kurzweilige, turbulente Mundartkomödie ohne Wenn und Aber.

VON MARKUS STRICKER